J. S. Bach: Orgelmesse

Unter dem eher nüchternen Titel „Dritter Theil der Clavier Übung“ veröffentlichte Johann Sebastian Bach 1739 eines seiner bedeutendsten und vielschichtigsten Orgelwerke. Was zunächst wie eine Sammlung einzelner Stücke erscheinen mag, erweist sich bei näherem Hinsehen als kunstvoll komponiertes Ganzes: ein monumentaler Zyklus, der später nicht ohne Grund den Beinamen „Orgelmesse“ erhielt.

Den Rahmen bilden das mächtige Präludium und die Fuge Es-Dur. Dazwischen entfaltet Bach einen musikalischen Kosmos, dessen Zentrum die Choräle des evangelischen Glaubens bilden. Von Kyrie und Gloria führt der Weg zu den großen Katechismusliedern Martin Luthers. Bach macht daraus weit mehr als kunstvolle Choralbearbeitungen: In seiner Musik verbinden sich Glaubensaussage, musikalische Symbolik und höchste kontrapunktische Kunst zu einer außergewöhnlich dichten Gesamtkomposition.

Doch in dieser scheinbar so streng durchdachten Architektur gibt Bach auch Rätsel auf. Gegen Ende des Zyklus stehen vier Duette – virtuos, tänzerisch, bisweilen geheimnisvoll und auf den ersten Blick überraschend anders als die großen Choralbearbeitungen, die sie umgeben. Warum hat Bach gerade diese vier Stücke an dieser Stelle eingefügt? Sind sie lediglich musikalische Zwischenspiele oder besitzen sie eine tiefere Bedeutung für das gesamte Werk?

Im Konzert bringt Christof Becker die großen Bearbeitungen der Clavierübung III zu Gehör und lässt Bachs „Orgelmesse“ als einen der großen Höhepunkte der Orgelliteratur erfahrbar werden: als Musik von beeindruckender Klangfülle und kompositorischer Meisterschaft, zugleich aber auch als vielschichtiges musikalisches Glaubenszeugnis.