10.02.2025 – Heiner Schultz, Gießener Allgemeine Zeitung
Etwas ganz anderes stand jetzt auf dem Licher Kirchenmusikprogramm: »Eine neüwe Art Clavier-Trio«. Kantor Christof Becker (Viola), Christopher Woods (Klarinette) und Eva-Maria Anton am Hammerklavier musizierten im gut besuchten Gemeindesaal Werke von Joseph Küffner, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Baptist Vanhal und Mozart. Es war nicht nur von der Literatur her etwas anderes, auch der Klang war auf seine sperrige Art apart.
Woods spielte virtuos eine historische Klarinette, die weniger Klappen aufweist als die heute üblichen. Becker musizierte auf einer historischen, mit Darmsaiten bespannten Viola und Anton spielte einen Hammerflügel, einen Nachbau des ersten seinerzeit zu Mozarts Zeiten verwendeten Instruments. Sehr interessant und wissenswert war auch diesmal die Moderation Christof Beckers, in der eine gewisse Orientierung im historischen Zusammenhang erfolgte. Los ging’s mit Joseph Küffners Serenade in G-Dur op.10 in drei Sätzen. Man begann mit nachdenklicher Leichtigkeit der historischen Klarinette, die im Klang etwas dunkler, aber federleicht und beschwingt agierte. Das Trio musizierte mit angenehmer Geschlossenheit. In der Mitte spielte man ruhig, fast schon getragen, bis gegen Schluss ein schöner Schwung aufkam und etwas Jahrmarktgefühl. Die Bratsche klang etwas verhalten und flacher als heute üblich. »Es sind besondere Instrumente, vielleicht auch eine besondere Musik«, sagte Becker. In Carl Philipp Emanuel Bachs (1714-1788) Triosonate a-moll herrschte ein weiches Schwingen mit Stimmungswechseln und schön sanften Dynamikspitzen. Es gab attraktive Klavierphasen und reizvolle Interaktionen.
Bereits hier traten einige Gründe zutage, weshalb man diese Instrumente historisch weiterentwickelt hat. Das Hammerklavier, mit einem schönen Cembalo-Timbre, liefert beim Anschlag stets ein Klopfgeräusch, das in leiseren Momenten klanglich auftrug und den sehr schlanken Klang störend übertönte. Die Klarinette wirkte fast modern, jedenfalls aber kräftig und selbstbewusst. Problematisch wirkte die Bratsche, die einen fragilen, eher unausgeglichenen Klang besaß, der im allgemeinen Geschehen schon ein mal untergehen konnte.
Johann Baptist Vanhals (1739-1813) Sonate für Klarinette und Klavier B-Dur bewegte sich auch klanglich im angenehmen emotionalen Bereich, im Mittelfeld nachdenklich und schön, jedoch nicht besonders prägnant. Abschluss und Höhepunkt des Konzerts war Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 bis 1791) »Kegelstatt Trio« Es-Dur, KV 498, ein sanfter Stimmungsaufheller. Die damals neu aufkommende Triokomposition war ursprünglich nicht für Klarinette notiert. Das kam zunächst etwas verhalten, doch mit einer reizvollen Klangvielfalt und generell eher ruhig. Im Zweiten kam etwas mehr Schwung auf, es blieb jedoch bedachtsam. Die Klarinette klang famos klar und stimmungssicher, das Klavier operierte mit bemerkenswerter Präzision und Sensibilität. Schließlich wurde es flott mit leisen Phasen einer sanften Bratsche und schönen verschlungenen Wendungen bis hin zu tänzerischer Leichtigkeit und einem angenehmen Schwung. Ein hörenswertes Programm, das bei Leistungen die Weiterentwicklung im Instrumentenbau veranschaulicht, die uns die heutzutage üblichen Klanggenüsse ins Bewusstsein rückte. Großer Beifall.